Grenzüberschreitende Gewerkschaftsarbeit erleben Bildungsreise nach Stettin: Austausch, Geschichte und gelebte Solidarität

Drei Tage Stettin: Austausch mit Solidarność, spannende Einblicke in Geschichte und Arbeitsrecht sowie gelebte europäische Solidarität. Das Bildungswochenende verband Perspektiven, stärkte Netzwerke und zeigte eindrucksvoll: Gute Arbeit kennt keine Grenzen.

Schriftzug Stettin mit Kolleginnen und Kollegen


Bildungsreise nach Stettin: Austausch, Geschichte und gelebte Solidarität

 

Vom 29. bis 31. Mai 2026 führte die IG Metall Stralsund‑Neubrandenburg ein eindrucksvolles Bildungswochenende in Stettin durch. Neben fachlichem Austausch stand vor allem das gegenseitige Verständnis für unterschiedliche gewerkschaftliche Strukturen sowie die gemeinsame europäische Perspektive im Mittelpunkt.

 

Anreise und Auftakt

Die Anreise am Freitag bildete den Auftakt eines intensiven Wochenendes. In einer Kennenlernrunde kamen die Teilnehmenden schnell ins Gespräch und tauschten erste Erfahrungen aus ihren Betrieben aus. Der Abend wurde durch gemeinsame Aktivitäten abgerundet, die das gegenseitige Vertrauen stärkten und eine offene, solidarische Atmosphäre für die kommenden Tage schufen.

 

Austausch mit Solidarność

Am Samstagvormittag stand der internationale gewerkschaftliche Dialog im Fokus. Drei Vertreter der polnischen Gewerkschaft Solidarność gaben spannende Einblicke in die Strukturen und die praktische Gewerkschaftsarbeit in Polen. Diskutiert wurden unter anderem:

  • die Organisation und Verankerung von Gewerkschaften in Betrieben
  • die Vertretung und Rechte der Mitglieder
  • Einflussmöglichkeiten bei Kündigungen und betrieblichen Konflikten
  • Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur deutschen Betriebsratsarbeit

Im Vergleich wurde deutlich, dass sich die Systeme zwar strukturell unterscheiden, aber das gemeinsame Ziel, die Interessen der Beschäftigten wirksam zu vertreten, im Mittelpunkt steht.

 

Geschichte zum Anfassen: Bunkeranlage und Umbruchsmuseum

Am Samstagnachmittag folgte ein Perspektivwechsel hin zur Geschichte. Der Besuch der Bunkeranlage sowie des Umbruchsmuseums in Stettin ermöglichte eindrucksvolle Einblicke in die politische und gesellschaftliche Entwicklung Polens.

Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit den historischen Umbrüchen auseinander – insbesondere mit der Rolle der Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung. Die Entwicklung von den Protesten der 1970er Jahre bis hin zur Entstehung der Solidarność wurde greifbar und zeigte, unter welchen Bedingungen gewerkschaftliche Arbeit in Polen gewachsen ist.

 

Stettin erleben

Am Abend wurde das Programm durch eine Erkundung des historischen Stadtkerns ergänzt. Der Besuch der beeindruckenden Hakenterrassen rundete den Tag ab und bot Raum für Gespräche in entspannter Atmosphäre sowie für das Vertiefen der neu gewonnenen Kontakte.

 

Rechtlicher Vergleich am Sonntag

Der Sonntagvormittag stand im Zeichen rechtlicher Fragestellungen. In einem fundierten Vortrag stellte die DGB‑Juristin und EURES‑Beraterin Daniela Reineke Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen deutschen und polnischen Regelungen dar. Themen waren unter anderem:

  • Urlaubsansprüche
  • Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall
  • Rentensysteme
  • Kündigungsfristen und Schutzrechte
  • weitere arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen

Die Gegenüberstellung verdeutlichte, wie unterschiedlich gesetzliche Regelungen ausgestaltet sind und welche Auswirkungen dies auf die Beschäftigten hat. Gleichzeitig entstand ein besseres Verständnis für die Situation von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern auf beiden Seiten der Grenze.

 

Zeitzeugengespräch: Geschichte aus erster Hand

Ein besonderer Höhepunkt war das Gespräch mit einem Zeitzeugen. Er berichtete eindrucksvoll von seinen eigenen Erfahrungen als Jugendlicher in den 1970er Jahren und seiner aktiven Rolle als Werftarbeiter während der Streiks in Stettin.

Als Zeitzeuge der Gründungsphase der Solidarność schilderte er die gesellschaftlichen und gewerkschaftlichen Umbrüche aus erster Hand. Seine persönlichen Einblicke machten Geschichte lebendig und sorgten für große Aufmerksamkeit und Respekt unter den Teilnehmenden.

 

Fazit: Ein Wochenende, das verbindet

Nach einem abschließenden gemeinsamen Mittagessen endete ein intensives und bereicherndes Wochenende.

Die Bildungsreise nach Stettin war geprägt von:

  • grenzübergreifender Austausch
  • sprachlicher und kultureller Annäherung
  • gewerkschaftlicher Vernetzung
  • gelebter Solidarität

Die Teilnehmenden sind näher zusammengerückt und haben vielfältige Eindrücke gesammelt – fachlich, historisch und menschlich.

Ein Wochenende, das eindrucksvoll gezeigt hat: Gewerkschaft lebt vom Austausch und - Solidarität kennt keine Grenzen.