2. Migrationspolitische BR-Tagung in Leipzig: Solidarität kennt keine Grenzen
Vom 16. bis 18. September 2026 fand in Leipzig die 2. Migrationspolitische BR-Tagung des Migrationsressorts der IG Metall statt. Drei Tage voller Diskussionen, Workshops, Begegnungen und inspirierender Gespräche machten deutlich: Die Vielfalt in unseren Betrieben ist eine Stärke und gelebte Solidarität bleibt das Fundament gewerkschaftlicher Arbeit.
Bereits am Mittwochabend wurden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer herzlich in Leipzig begrüßt. Die offizielle Eröffnung übernahm Michael Hecker, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig. Mit seinen einleitenden Worten setzte er den Rahmen für eine Tagung, die sich den Herausforderungen und Chancen einer vielfältigen Arbeitswelt widmete.
Besonders erfreulich war die starke Beteiligung von Betriebsrätinnen und Betriebsräten mit polnischen Herkunft. Kolleginnen und Kollegen aus Hamburg, Pasewalk und Görlitz, die in ihren Betrieben Verantwortung als gewählte Interessenvertretungen übernehmen, waren nach Leipzig gekommen. Ihr Engagement wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit großem Applaus gewürdigt. Auch Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall, hieß die Kolleginnen und Kollegen herzlich willkommen und unterstrich die Bedeutung migrantischer Beschäftigter und ihrer Vertretungen für die Gewerkschaft und die betriebliche Mitbestimmung.
Vielfalt der Themen in den Workshops
Der erste Tag stand ganz im Zeichen intensiver Workshops. Die Teilnehmenden hatten die Möglichkeit, sich zu verschiedenen Themen auszutauschen und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln:
- KI im Betrieb: Diskriminierung vermeiden – Handlungsmöglichkeiten für Mitbestimmung
- Transformation gemeinsam gestalten – Perspektiven migrantischer Betriebsräte und Beschäftigter in der Automobilindustrie
- Empowerment für eine starke Betriebsratsarbeit
- Migrationsgesellschaft gestalten – Solidarität stärken, Rassismus überwinden
Die Diskussionen waren praxisnah und zeigten eindrucksvoll, wie wichtig die Mitbestimmung bei der Einführung neuer Technologien, bei Transformationsprozessen und im Kampf gegen Diskriminierung im Betrieb ist.
Lebhafte Podiumsdiskussionen mit klaren Botschaften
Ein Höhepunkt der Tagung war die Podiumsdiskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Gewerkschaft und Betrieben.
Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste, diskutierte gemeinsam mit Betriebsratsmitgliedern von BMW Leipzig, die über erfolgreiche Projekte für Beschäftigte mit Migrationsgeschichte berichteten. Im Mittelpunkt standen Programme zum Erwerb deutscher Sprachkenntnisse sowie Qualifizierungsmaßnahmen, die den Kolleginnen und Kollegen neue berufliche Perspektiven eröffneten.
Vertreterinnen und Vertreter von Daimler Buses schilderten eindrucksvoll, wie Beschäftigte mit Zuwanderungsgeschichte aktiv in die gewerkschaftliche Arbeit eingebunden werden können und welchen positiven Einfluss ihre Beteiligung auf die betriebliche Kultur hat.
Besondere Aufmerksamkeit erhielt auch der Beitrag der Betriebsratsvorsitzenden von Birkenstock Görlitz. Sie machte deutlich, dass es auch heute noch Unternehmen in Deutschland gibt, in denen die Entlohnung vieler Beschäftigter nur knapp über dem gesetzlichen Mindestlohn liegt. Ihre Ausführungen sorgten für intensive Diskussionen und machten deutlich, dass gute Arbeitsbedingungen keine Selbstverständlichkeit sind, sondern immer wieder erkämpft und verteidigt werden müssen.
Die Debatten waren lebhaft, emotional und manchmal kontrovers. Doch gerade diese Offenheit machte die Tagung so wertvoll. Unterschiedliche Erfahrungen und Perspektiven wurden nicht gegeneinander ausgespielt, sondern miteinander diskutiert.
Gemeinsam gegen Ausgrenzung und Rechtsruck
Am Abschlusstag stand das Fishbowl-Format unter dem Titel:
„Gleichstellung und Teilhabe im Betrieb: Gemeinsam gegen Ausgrenzung und Rechtsruck“
Auf dem Podium diskutierten:
- Natalie Pawlik, Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration
- Vanessa Barth, Leiterin des Funktionsbereichs Grundsatz der IG Metall
Die Diskussion machte deutlich, dass Demokratie, Teilhabe und Respekt keine abstrakten Begriffe sind. Sie beginnen im Alltag unserer Betriebe. Wo Menschen unabhängig von Herkunft, Sprache oder Religion zusammenarbeiten, entstehen Herausforderungen, aber vor allem Chancen. Die Aufgabe der Mitbestimmung ist es, diese Chancen zu nutzen und Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten.
Mehr als Fahnen, Streiks und Trillerpfeifen
Die Tagung in Leipzig hat einmal mehr gezeigt, dass die IG Metall weit mehr ist als rote Fahnen, Streiks und Trillerpfeifen.
Die IG Metall ist vor allem ein Ort der Begegnung. Veranstaltungen wie die Migrationspolitische BR-Tagung ermöglichen es, Kolleginnen und Kollegen aus ganz Deutschland kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und voneinander zu lernen. Hier erfährt man, welche Herausforderungen andere Betriebsräte in ihren Betrieben bewältigen müssen, welche Lösungen sie gefunden haben und welche Erfolge sie gemeinsam mit den Beschäftigten erreichen konnten.
Nicht selten entstehen dabei neue Kontakte, die weit über die Veranstaltung hinausreichen. Aus vielen Gesprächen werden Netzwerke, aus Netzwerken Freundschaften und aus Freundschaften oft lebenslange gewerkschaftliche Wegbegleiter.
Besonders beeindruckend war dabei die Atmosphäre des gegenseitigen Respekts. Selbst eine kleinere Sprachbarriere spielte kaum eine Rolle. Denn, wie ein Teilnehmer treffend formulierte:
„Die Worte kamen nicht aus dem Kopf, sondern aus dem Herzen.“
Genau dieser Geist machte die 2. Migrationspolitische BR-Tagung in Leipzig zu etwas Besonderem. Sie war ein starkes Zeichen dafür, dass Solidarität keine Herkunft kennt und dass Vielfalt unsere Gewerkschaft stärker macht.
Leipzig hat gezeigt: Gemeinsam sind wir mehr. Gemeinsam gestalten wir die Zukunft der Arbeitswelt.
Artikel: Bartosz Marosz